Ukraine-Hilfe

Interview mit der Präsidentin Sabine Weißbrich über die Ukraine-Hilfe unseres Clubs

 

Pakete für die Ukraine

Pakete für die Ukraine

Sabine, Soroptimist Erlangen hat in diesen drei ersten Monaten des Kriegs in der Ukraine bereits einiges auf die Beine gestellt, um Ukrainerinnen und Ukrainern in Erlangen und in der Ukraine zu helfen. Ist es tatsächlich die Aufgabe eines Service-Clubs, sich in dem Bereich zu engagieren? Es gibt doch auch in Erlangen so viel zu tun. Und – Ihr habt doch überhaupt keine Verbindungen in die Ukraine.

Soroptimistinnen setzen sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen ein. Wir agieren lokal, regional, national und auch global. International sind wir in 118 Ländern vertreten.

Weiterhin steht Soroptimist International für Menschenrechte, weltweiten Frieden und Verständigung sowie für Vielfalt und Freundschaft ein.

So war und ist es uns ein großes Bedürfnis, den Flüchtlingen das Ankommen in Erlangen zu erleichtern. Aber auch vor Ort, in der Ukraine, leisteten wir sofort Unterstützung.

Was genau steckt hinter der humanitären Hilfe, die gleich zu Beginn des Krieges von Dir gestartet wurde? Wie ist sie gelaufen?

Buchstäblich über Nacht haben die Frauen bei uns im Club 2.000 Euro privat gespendet. So konnten wir gleich mit der ersten Hilfslieferung aus Erlangen Pakete mit vielen wichtigen Dingen in die Ukraine geben: Babynahrung, Lebensmittel, Taschenlampen, warme Bekleidung, alles, was eben dringend benötigt wurde. Eine Clubschwester von uns arbeitet in der Klinik als Ärztin, sie hat uns dann noch auf eine weitere Möglichkeit, Hilfsmittel direkt in die Ukraine liefern zu lassen, aufmerksam gemacht.

Und wie ging es weiter? Wie viele Menschen habt Ihr bis jetzt mit Eurer Unterstützung erreicht?

Unser großer Vorteil im Unterschied zu den anderen Organisationen liegt darin, dass wir im Club schnell Bargeld gesammelt haben, ohne Spendenbescheinigung, jede so viel sie konnte. Dadurch können wir Privatpersonen helfen, was z. B. die Stadt Erlangen wegen der Gemeinnützigkeit nicht machen darf. Wir machen auch Aufrufe im Club, um z. B. Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel oder Fahrräder zu sammeln, wir kaufen Schulsachen und übernehmen teilweise Übersetzungskosten usw. Wir vermitteln  auch Unterkünfte, wenn wir können, geben Hinweise, organisieren Ausflüge. Wir zeigen überdies, wie man in der Demokratie lebt, welche demokratischen Strukturen dadurch entstehen und versuchen, die Flüchtlinge für das Ehrenamt zu gewinnen.

Mittlerweile haben wir ca. 60 Privatpersonen (von Klein bis Groß) direkt geholfen. Unsere Projekte erreichten aber viele Menschen aus der Ukraine zusätzlich.

Was leistet der SI Erlangen über die Hilfe für Privatpersonen hinaus? Wo liegen Eure Schwerpunkte? Und wie finanziert Ihr das?

Wir arbeiten mit dem Brücken e.V., der Kunst- und andere kreative Kurse für Kinder und Erwachsene durchführt, finanzieren Materialien, Honorare für Dozenten, unterstützen die Kinderbetreuung für ukrainische Kinder an der Pestalozzischule.

Gemeinsam mit dem Zontaclub Erlangen und dem Brücken e.V. konnten wir an der Volkshochschule einen offenen Gesprächskreis für Ukrainer organisieren, wofür wir ihr ganz herzlich danken. Hier können die Flüchtlinge mit einer professionellen Moderation über ihre Gefühle, Ängste, Probleme und Freuden miteinander sprechen.

Wichtig ist auch, dass wir durch den direkten Kontakt den Ukrainern wirklich Mut machen, in der neuen Heimat nicht aufzugeben, sich Neues zuzutrauen, hier so viel wie möglich zu lernen, was sie später in der Ukraine auch zu ihrem Vorteil einsetzen können, z. B. Kurse oder Sprache.

Wir wissen, dass die Integration am besten und einfachsten durch Beschäftigung läuft, sei es Arbeit, Sport oder auch andere Angebote, die entscheidend vor allem für die psychische Gesundheit dieser Menschen ist. Wir geben ihnen das Gefühl, hier keine Fremden, sondern willkommen zu sein. Manchmal genügt es auch schon, wenn man gemeinsam weint.

Man darf eines nicht vergessen: Niemand macht hier Urlaub, alle sind vor einem brutalen Krieg nach Deutschland geflohen. Die meisten wollen zurück und dabei so schnell wie möglich. Sie wissen nicht, wann sie zurück dürfen und wen und was sie dann dort vorfinden.

Bekommt Euer Club Unterstützung auch von den anderen SI Clubs? Plant Ihr Aktionen mit den anderen Service-Clubs?

Wir haben mit dem SI Club unserer Partnerstadt Riverside einen Friendship Link. Unsere Clubschwestern aus Kalifornien haben über 1.000 Euro für die Ukraine Hilfe gespendet. Mit dem Zontaclub Erlangen haben wir den offenen Gesprächskreis gemeinsam organisiert.

Sind weitere Aktivitäten geplant? Trefft Ihr Euch auch mit den Ukrainern selbst, denen Ihr helft?

Wir haben eine Schwester, die Russisch spricht und über die wir sehr viel tun, da sie täglich mit den Flüchtlingen in Kontakt steht. Gerade wird die Kinderbetreuung an der Pestalozzischule gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Institut durch zwei unserer Mitglieder durchgeführt. Eine von ihnen leistet jeden Tag in der Schule eine ganz wichtige Arbeit mit Müttern und Kindern.

Mir hat unser Treffen mit den ukrainischen Frauen bei der Zontafeier sehr viel Freude bereitet, und ich freue mich auf mehr gemeinsame Aktivitäten. Ich könnte mir gut ein gemeinsames Frühstück vorstellen. Aber sicherlich werde ich auch die Nachmittagsbetreuung in der Pestalozzischule besuchen.

Liebe Sabine, danke für das Interview!




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